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Montag, 20. Februar 2012

Hubert von Goisern, 10. Februar 2011 im Alten Schlachthof, Dresden

Vor einer Woche ging für meine Eltern, meine Schwester und mich ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung: Endlich schafften wir es in ein Hubert von Goisern-Konzert, im Alten Schlachthof von Dresden. Es war ein Konzert, dass mich sehr begeistert hat und bis heute sehr bewegt. Aus so vielen verschiedenen, teils ziemlich persönlichen, Gründen.

Hubert von Goiserns Musik ist einfach mitreißend. In den 90ern spielte mein verstorbener Onkel Klaus uns die verrockte Alpenvolksmusik von Hubert, seiner beeindruckenden Jodlerin Alpine Sabine und seiner damaligen Band, den Alpinkatzen, vor. Natürlich begeisterte auch uns sein damaliger Hit, "Koa Hiatamadl".



Aber daneben gab es auch wunderschöne, ans Herz gehende Balladen wie "Weit, weit weg" oder "Heast as net".

Hubert von Goisern ist für mich ein faszinierender Mensch. Er vermixt seine Wurzeln, seine Volksmusik mutig mit neuen Einflüssen, was viele Kritiker auf den Plan ruft. Er steht für das ein, was ihm wichtig ist. Wenn ihm etwas gegen den Strich geht, nimmt er kein Blatt vor den Mund. Viele seiner Lieder klingen zwar volkstümlich, aber die Texte sind oft sozialkritisch, z. B. "Oben und unten" oder "Iawaramoi". Beide sind schon aus den 90ern, und leider heute immer noch aktuell.




Danach verlor unsere Familie ihn erstmal aus den Augen. Wir haben schon mitbekommen, dass er auf Reisen ging und "Weltmusik" machte, und das Sabine nicht mehr dabei ist. Ich war etwas skeptisch, ob mir das, was er jetzt macht, noch gefallen würde. Aber unser Wunsch, ihn mal live zu erleben, ist geblieben.

Wie immer habe ich mir vor dem Konzert am 10. Februar keine Konserven angehört. Ich liebe es, mich von dem ersten Live-Eindruck eines Konzerts umhauen zu lassen. Also hatte ich keine Ahnung, wie die neuen Lieder sind, wie groß die Band sein wird, ob ich noch vieles von dem Repertoire kennen werde. Ich will den ersten bombastischen Live-Eindruck. Und hier hat es total funktioniert. Wir standen ganz vorn in der Mitte, meine ganze Familie war bei mir, sogar mein Schwager war mit, und in Gedanken auch Onkel Klaus. Die ersten Töne klangen bekannt alpin und lösten gleich ein wohliges Wiedererkennungsgefühl aus. Es war das Instrumental "ÜUOÖ - Über-Unter-Ober-Österreicher" mit Hubert an der Zieharmonika und einem schön schrummelnden Bass, genau, wie ich es liebe.

Heute in seiner aktuellen "Brenna tuats"-Tour macht Hubert von Goisern simplen, aber tiefgehenden Rock und Blues, wie ich ihn aus meiner Kindheit von den Bands, die meine Eltern hören (Rolling Stones etc.), kenne. Aber natürlich wieder typisch Hubert-mäßig gemischt mit Einflüssen seiner alpinen Herkunft oder seiner vielen Reisen. Einen sehr guten Live-Eindruck von unserem Konzert bekommt man beim Fernsehmitschnitt von Hubert von Goiserns Konzert in der bayrischen Kaltenberg-Arena (Länge: 1,5 Stunden):




Meine Hörempfehlungen für den Einstieg: Der erste Song im Video. Er ist Hubert von Goiserns aktueller Radiohit "Brenna Tuats Guat" - wieder mit sehr sozialkritischem Text, verpackt in Musik, die wach und Spaß macht. Und Spaß macht auch der dritte Song dieser Aufzeichnung: "Indianer". (Beide live und im Video noch viel mitreißender als auf der CD.) Wer erwartet schon eine "Pulp Fiction"-ähnliche Ska-Nummer in einem Alpenrockkonzert?! Genial!

Aber eigentlich würde ich eh empfehlen, sich das ganze Konzert anzuschauen. Die Stimmung ist so gut eingefangen, und es gibt so viele Perlen. Allein die Besetzung ist großartig. Es macht solchen Spaß, die Band zu beobachten. Man merkt ihre Leidenschaft, und dass ihnen die Musik im Blut liegt. Severin Trogbacher (Gitarre), Alex Pohn (Schlagzeug) und Helmut Schartlmüller (Bass) waren mit Hubert schon auf der Donautour. Sehr unterhaltsam und sympathisch ist auch Hannes Peithner (Backline), der "Gschtölle" (Gestelle) zusammenschweißt (wenn auch nicht auf der Bühne!), die Instrumente zureicht, Animateur spielt und auch schon mal selbst zur Kuhglocke greift.

Ja, es gab eine Menge musikalischer Überraschungen und viele schöne kleine Dinge zu entdecken in diesem laut Hubert selbst doch so minimalistischen Konzert: Die Kuhglockeneinlage in "Indianer", die wunderschöne berührende Klarinette ("die dunkle Seite der Musik") in "Es Is Wias Is", die Schoßgitarre im bluesigen "I Versteh Di Nit", die tollen neuen Gitarrenpartien in altbekannten Stücken wie dem "Hiatamadl" oder "Goisern".



Am Ende des Konzerts gabs sogar noch ein Schmankerl für mich A Cappella-Fan. Nach diversen Zugaben hatte Hannes schließlich die Stecker gezogen und die Instrumente weggeschlossen, aber das begeisterte Dresdner Schlachthofpublikum ließ und ließ nicht locker, so dass schließlich die Musiker und Hubert sich im hübschen Halbkreis ums Mikro postierten und uns einen zu Herzen gehenden Abschiedsjodler schenkten.

Ja, jetzt bin ich total angefixt und hole die "verlorenen Jahre" auf. Wenn ich einmal begeistert bin, möchte ich ganz tief eintauchen. Und die Hubert von Goisern-Website lässt keine Wünsche offen. So hörte ich mich in der letzten Woche Nacht für Nacht durch sämtliche Radiointerviews zur aktuellen "Brenna tuats"-Tour und las eine Menge über die vorhergehenden spannenden Projekte.

Projekte: http://www.hubertvongoisern.com/musik.html
Mich faszinieren Hubert von Goiserns Lebensweg, seine Ansichten in den Interviews, seine Reisen. Er ist jetzt 59 und lebt sein Leben wirklich aus. Er macht es einfach, unabhängig davon, ob es sich finanziell "lohnt". Für ihn lohnt es sich persönlich, musikalisch. Sein Weg ist so abwechslungsreich, auch so unvorhersehbar, was als nächstes - musikalisch - kommen wird. Das finde ich spannend. Hubert von Goisern macht außergewöhnliche Projekte, aber immer ist da die Musik. Man merkt, dass das Musizieren mit anderen Menschen und für das Publikum für ihn das Größte ist. Er hat faszinierende Menschen wie Jane Goodall und den Dalai Lama kennengelernt. Er ist ein Rumtreiber, er reist in oft unwirtliche, aber spannende Gebiete - Afrika, Indien, Tibet, Osteuropa ... Und macht dort Musik mit den Menschen vor Ort. Er hinterfragt, er grübelt - ich (selbst Skorpion, im Jahr des Drachen geboren) kenne solche Gedanken von mir selbst.

Quelle: Hubert von Goisern-Website
Und alles ist super dokumentiert. Ich habe in der nächsten Zeit eine Menge nachzuholen und bin ganz begeistert darüber. Im Moment lese ich Hubert von Goiserns Logbuch seiner Donautour: "Stromlinien". Das Leben auf dem Fluss, die Begegnung mit neuen Menschen und vergessenen oder übersehenen Kulturen, die mitreißende Balkanmusik, die Organisation einer so gewaltigen Tour und wie alles von einer (im wahrsten Sinne) Schnapsidee zum Traum und zur Realität wurde und natürlich, Hubert und die Band, die ich nun auf der Bühne erlebt habe, ein bisschen persönlicher "kennenzulernen" - einfach faszinierend und total inspirierend.

Ich bin sehr glücklich, dass ich Hubert von Goiserns Musik und Werk gefunden habe und mich davon inspirieren lassen kann. Und ich freu mich umso mehr, dass der Alte Schlachthof und Huberts Team offenbar so zufrieden mit dem Dresdner Konzert und dem Publikum waren, dass sie eine Wiederholung für den 23. November angesetzt haben! Hier ist der komplette Tourplan 2011. Unsere Karten für Dresden haben wir schon. Für die ganze Familie.


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