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Montag, 26. September 2011

Die ganze Gospelnight-Story, Teil 1 (Saison 2010/11)

Ich bin gerade total inspiriert vom Buch "Mid-Life Confidential - The Rock Bottom Remainders Tour America with Three Chords and an Attitude". Die Rock Bottom Remainders sind eine Band aus ca. 15 Autoren, darunter Matt Groening und Stephen King. Anfang der 90er formten sie aus Spaß für eine Literatur-Convention eine Rockband. Ein Jahr später gingen sie auf Tour. In dem Buch erzählen alle Beteiligten ihre Sicht der Dinge, von der Ideengeberin und Gründerin über die einzelnen Musiker bis hin zum musikalischen Coach und dem Groupie.


Im vergangenen September fing auch für mich die Nebenkarriere als "Rocksänger" an: Im Sommer hatte ich Daniel und Ingo getroffen, um über eine Beteiligung an der CD zum 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag zu reden. Haben wir auch getan, und anschließend wurde ich "gegospelt": Ingo erzählte mir vom Gospelnight-Chorprojekt, das aus ca. 100 Sängern, Rockband, Solisten und Crew besteht, jedes Jahr im Herbst anfängt zu proben, am Heiligabend seinen großen Auftritt hat und im Januar für 3 Tage auf Tour geht. Ich hatte am Heiligabend 2009 schon das Plakat entdeckt und wäre gern zum Konzert gegangen, wenn es zu dem Zeitpunkt nicht schon begonnen gehabt hätte. Dieses Jahr war ich also etwas früher informiert. 


Ich fand allein schon die Aussicht verlockend, mit so vielen Sängern und Band aufzutreten. In Kirchen und Gottesdiensten war ich vorher schon oft mit dem Handglockenchor gewesen, und Gospel mochte ich sowieso. Und da man nicht einmal vorsingen musste, überzeugte ich auch Silke, eine gute Freundin, mit der ich viel zu Konzerten fahre und im Auto A Cappella-Musik mitsinge, mich im September 2010 zur ersten Probe zu begleiten. Silke hatte zuletzt in der Grundschule in einem Theaterstück auf der Bühne gestanden. Ich sang schon seit fast 2 Jahren in einem Frauenchor mit und hatte auch sonst schon einiges an musikalischer Bühnenerfahrung mit anderen Chören (allerdings von höchstens 30 Leuten Stärke) und einem Handglockenchor.


Foto: www.gospelnight-dresden.d
Probenbeginn

Das Hauptquartier für die Gospelnight ist das Gemeindehaus der Christuskirche in Dresden-Strehlen. In der ersten Probe am 17. September 2010 waren schon schätzungsweise 90 Sänger anwesend. Es standen Unmengen von Stühlen bereit, jeweils deutlich markiert mit Schildern für jede Stimmgruppe. Silke und ich ordneten uns gleich in den Alt ein. Dass wir die selbe Stimmlage singen, soviel hatten wir bei unseren Autosessions schon rausgefunden. Gleich an der Tür hatten wir für 3€ eine ganze Mappe mit Noten auf rotem Papier erhalten - ungewöhnlich. Von den Titeln her sagte mir nur ein einziges Stück etwas: "Joshua fit the battle of Jericho". Das ließ schon mal darauf hoffen, dass hier nicht die abgenudelten Gospelsongs gesungen werden, sondern innovative, nicht so bekannte. Das bestätigte sich auch bald.


Es gab eine kurze Begrüßung zur mittlerweile schon 13. Saison der Gospelnight. Andreas, der die Begrüßung hielt, ist von Anfang an dabei und geradezu beseelt von dem ganzen Geschehen. Die Chorleiterin, Annegret, ist ein Energiebündel. Wir erwärmten uns mit "Popgymnastik" zu Gospelmusik vom Band und sangen und groovten uns ein. Der unvermeidliche Muggenschritt - rechts - Tipp - links - Tipp ... Annegret nannte es "Rhythmisches Rumstehen". Solisten und Band waren noch nicht anwesend. In dieser ersten Probe begannen wir mit CeCe Winans' "Forever". Die Texte wurden per Beamer an die Wand geworfen.


Ungefähr zur Hälfte der zweistündigen Probenzeit gibt es jeweils eine kurze Andacht von 10, 15 Minuten. Das Motto dieser Gospelnight-Saison ist "Why God - God why?" Zu jeder Andacht erzählt ein Freiwilliger ein eigenes Erlebnis, ein Gleichnis, liest eine Bibelstelle ... Mich berührte gleich die erste Andacht und machte mich nachdenklich. Ich war nicht kirchlich erzogen worden. War ich spirituell? Konnte ich dem, was da erzählt wird, etwas abgewinnen?


Unbedingt erwähnenswert und herzerwärmend, wie ich finde, ist auch das Abschlussgebet mit Dank und die Abschlussrunde. Alle fassen sich an den Händen, Andreas sagt ein paar letzte Worte und betet mit allen, und dann "Uuuuuuund tschüss".


Silke und ich waren beide von Anfang an ergriffen von der Musikauswahl. (Die Stücke werden vom Chorleiter gemeinsam mit dem Vorbereitungsteam ausgewählt.) Mein erster richtiger Gänsehautmoment: "All the time" ("God is good") von Joakim Arenius zu singen. Nur mit der Umsetzung wollte es bei uns beiden nicht so recht klappen, denn wir hatten das Gefühl, dass der Alt weniger geprobt wird als der Sopran und fühlten uns lange entsprechend unsicher. Allerdings lag es zum Großteil auch an uns selbst. 

Die Chorwochenenden

Da ich erst so kurzfristig von dem Projekt erfahren hatte, hatten wir schon einige andere Termine, vor allem Konzerte, die mit den Probenabenden kollidierten. Wir haben bestimmt fast die Hälfte der Zeit gefehlt und leider auch das 1. Probenwochenende Ende Oktober verpasst. Wir versuchten zwar alles, um Zuhause selbst zu üben, suchten die Stücke bei youtube und fanden auch fast alle, allerdings ist es da natürlich schwierig, unsere zweite Stimme herauszuhören. Immerhin konnte man sich so halbwegs ein Bild vom Ablauf eines Stückes machen. Manche Ohrwürmer wurde man nicht mehr los. ("Forever" z. B.) Und wir waren immer noch zuversichtlich, dass auch wir es packen werden. Silke tippte außerdem noch fleißig Alt-Melodien in "Finale" ein und druckte uns sämtliche Liedtexte aus. (Was trotzdem nicht für Hans Christian Jochimsens "Help me" half. Erst nach dem letzten Auftritt der Saison konnte ich den Text halbwegs, und es ging nicht nur mir so.)


Eine große Hilfe und ein wunderschönes Erlebnis war das 2. Probenwochenende am 19. bis 21. November. Wie schon das erste fand auch dieses in der Schule in Radeberg statt. Silke und ich konnten mal wieder wegen eines Termins erst am Samstag anreisen, aber immerhin waren wir schon zum Frühstück dort, saßen gleich mitten in der Masse der uns noch fremden Leute und gegenüber der Chorleiterin. Es ist schön, so mal etwas Zeit zum Kennenlernen zu finden. Während der Proben dürfen wir ja nicht schwatzen. An der Tafel hing das umfangreiche Probenprogramm der 2 1/2 Tage. Heftig heftig! Das war abgesehen von einigen Handglockenfahrten übrigens das erste Probenlager, das ich miterlebte. Ein ganzes Wochenende lang nur singen, und dann auch noch mit einer mitreißenden Band, das ist schon ein Traum, der wahr wird. Zum ersten Mal erlebten wir auch die wunderbaren Solisten, Frank und Christine (die strickte, wenn sie nicht gebraucht wurde). Etwas anderes als zu essen und zu proben haben wir tatsächlich nicht gemacht. Am Samstag Abend kamen wir noch zu einem Film zusammen, der natürlich ebenfalls etwas mit Glauben und Singen zu tun hatte ("Vaya con Dios", sehr nett). Zuvor wurde noch über das Hilfsprojekt abgestimmt, das traditionell mit den Einnahmen der Konzerte unterstützt wird. Dieses Jahr sammelten wir also Geld für Obstbäume für eine Schule in Sierra Leone.


Foto: www.gospelnight-dresden.de
Die für mich ergreifendsten Momente bei diesem Probenwochenende waren (abgesehen davon, dass ich dankbar dafür bin, dass es sogar ein vegetarisches Mittagessen gab) 1. als die Band zum ersten Mal zu spielen begann. Der Sound war so treibend, so mitreißend ... (so laut :)) 2. dass sich Anne und eine Freundin unserer annahmen, sich hinter uns postierten und uns die Alt-Melodien unterstützend ins Ohr sangen. Und 3. der Moment vor dem Mittagessen am Sonntag. Wir probten "Lords Prayer", Solist Frank, ein Musikevangelist, spricht darin jeweils ein paar Worte, und diesmal dankte er für den reich gedeckten Tisch, der uns vermutlich gleich empfangen wird. Diese ergreifende Rede, zusammen mit dem wunderbar getragenen Stück, rührte mich und einige andere wahrhaftig zu Tränen.

Die Gemeinschaft auf diesem Chorwochenende hat mich sehr beeindruckt. Man kommt ungezwungen ins Gespräch, fragt nach Namen, übt die Namen, singt gemeinsam, hilft einander, isst gemeinsam, sitzt und scherzt abends zusammen, schläft in einem großen Saal auf Isomatten in Schlafsäcken (auch die Chorleiterin), und beeindruckend war auch, dass am Ende, als die letzten Reinigungs- und Aufräumarbeiten vor Abfahrt verteilt wurden, es sofort jeweils mehrere Freiwillige gab. Selbst die Toilettenreinigung ist traditionell vergeben, an Ingo.


Sofort nach Rückkehr, ja, noch am selben Nachmittag, setzten Silke und ich uns noch zusammen und übten, was wir in den vergangenen zwei Tagen gelernt hatten. Spätestens jetzt hatten sie uns am Haken. (Und das nicht nur, weil wir inzwischen auch die 60€ Chorbeitrag gezahlt hatten.) Ich war Feuer und Flamme.


Die Wochen vergingen, es wurde von Mal zu Mal früher dunkel, wir kamen von Mal zu Mal immer gerade 5 Minuten vor Probenbeginn an. Ab Anfang Dezember konnte man, wenn gerade eine der anderen Stimmen probte, draußen den Schneefall beobachten. Manchmal war man müde, und Annegret hatte ihre liebe Not, uns zu motivieren. Die Schwibbögen erschienen in den Fenstern des Gemeindesaals - Weihnachten rückte merklich näher, und damit unser erster Auftritt an Heiligabend. Silke und ich fühlten uns inzwischen sicherer. Und ich fragte mich immer wieder, ob ich an die Geschichten aus der Andacht glaube, an Jesus und den lieben Gott. Mich berührte und wärmte der Gedanke an den gütigen Gott, von dem immer wieder berichtet wurde, die Idee, dass da irgendwo jemand oder etwas ist, das auf uns aufpasst. 

Weihnachten

Musikalisch war es jetzt an der Zeit, alles zusammen zu bringen. Die Hauptprobe war eine Woche vor Heiligabend im Gemeindehaus. Die Band und Solisten waren anwesend.


Die Generalprobe 2 Tage vor dem Fest und erstmals auf der Bühne in der Kirche fühlte sich für mich bereits wie das Konzert an. Die entsprechende Anspannung (aber nicht unangenehm). Außerdem hatten wir bereits Publikum, sogar ein volles Haus. Die Kirche ist wunderschön, der Jesus hinter uns, die hohe Bühne (Silke und ich standen in der letzten Reihe und damit am höchsten) beeindruckend, die Crew professionell, die Beleuchtung - wow! Silke und ich postierten uns so, dass wir erfahrenere Sängerinnen hören konnten. Das gab uns Sicherheit. Wir hatten zwar noch nicht unsere Auftrittsoutfits an, noch keine Stolas um, aber ansonsten fühlte es sich für mich wie ein richtiges Konzert an. Die Masse an Sängern, die Lautstärke, das Tempo, die Energie - beeindruckend.


Heiligabend zum Gottesdienst um 22 Uhr dann das Konzert, auf das wir all die Wochen hingearbeitet haben. 


Die Kirche war mehr als voll, 2.000 Leute passen wohl hinein. Die Stimmung war schön, das Publikum ließ sich mitreißen. Wir gaben alles. Es war eine wahre Holy Ghost Party, wie es in einem unserer Lieder hieß. Unsere Familien waren auch anwesend und filmten alles. Kritik erhielt ich auch: Ich könnte den Mund weiter aufmachen.


Voller Adrenalin verabschiedeten wir uns in die Weihnachtsferien. Wir erhielten sogar noch Geschenke: Vom Gospelnight-Vorbereitungsteam bekam jeder ein Frühstücksbrettchen und selbstgebackene Notenplätzchen. Die Mädels und Jungs haben aber auch echt eine Energie - unglaublich! Und Jörg verteilte Umarmungen und Hallorenkugeln, hach. Ich fühle mich so wohl mit diesen Leuten. Es ist immer wieder schön, in dieser Runde unterwegs zu sein und zusammen auf der Bühne etwas zu erschaffen.


Das Tourwochenende

Lange hängte ich die Stola auch nicht an den Nagel, denn bald im neuen Jahr gingen die Proben für das Tourwochenende los. Vom 21. bis 23. Januar fuhren wir zu Auftritten nach Radebeul, Leipzig und Meißen.


Radebeul war ... eng. Ich fühlte mich mittlerweile sicherer auf der Bühne, brauchte nicht mehr ganz so krampfhaft zu überlegen, was ich zu singen habe, sondern konnte die Stimmung allgemein mehr genießen. Und ab jetzt riss ich den Mund weiter auf, Aaaaaaaaaa-men. Es machte einen Riesenspaß. Nach dem Konzert und einem Brötchen und Teechen fuhren wir nochmal für eine Nacht nach Hause und trafen uns am Mittag des kommenden Tages wieder an der Kirche, von wo aus der Bus nach Leipzig startete.


Hier bekamen wir richtiges Backstage-Feeling. Das war klasse. Wir breiteten wieder unsere Isomatten und die (nicht ausreichend warmen, was wir aber noch nicht wussten) Schlafsäcke auf dem Boden, diesmal dem der Bibliothek, aus und trafen uns im Speiseraum zu einem Imbiss. Danach ging es ans Einsingen und Soundchecken wie bei einer richtigen Band. Hier hatten wir mehr als genug Platz auf der Bühne. Ausnahmsweise war die Band diesmal allerdings bei uns, dem Alt, positioniert. Die sind laut! Bis zum Auftritt blieb uns noch etwas Zeit zu relaxen und uns schön zu machen. Das Konzert war ... laut. Wir hörten uns selbst nicht singen, aber ich glaube, inzwischen waren wir so geübt, dass wir nicht allzu viel falsch machten. Es war wunderbar, aber auch erschöpfend. Nach dem Konzert sah ich mehrere der Sänger weinen. Sie wurden umgehend von Freunden in den Arm genommen. Wieder mal beeindruckte mich dieses Gemeinschaftsgefühl. Nach dem späten Abendessen saßen wir noch lange im Speiseraum zusammen und genossen eine private kleine "Kabarett-Vorstellung" einiger langjähriger Gospelnightler. Außerdem gab es Hustenperlen. Die hatte ich seit meiner Kindheit nicht mehr gesehen! Ansonsten ist Traubenzucker *die* Droge auf den Konzerten und wird vom Vorbereitungsteam selbst großzügig verteilt, damit niemand umkippt. (Was in dieser Saison auch nicht vorkam.)




Die Nacht war kalt und unbequem. Nicht wenige von uns hatten nach der Tour lange mit Husten, Fieber, Migräne zu kämpfen. Am Sonntagmorgen aber waren wir noch alle halbwegs fit und erlebten noch in Leipzig den Gottesdienst mit. Wir steuerten selbst 3, 4 Lieder bei. Diesmal ging unser Auftritt sehr entspannt und ohne großen technischen Aufwand, der Gottesdienst selbst allerdings war für mich lang und eher öde. Danach brachen wir im Bus auf nach Meißen. Wir nutzten die Zeit, um Schlaf nachzuholen. Schon lange vor dem Soundcheck trafen wir in Meißen ein und erhielten einen Raum samt Küchenzeile, aber nur mit 2 Toiletten, zugeteilt. Das Küchenteam zauberte uns tatsächlich Kaffee und einen kleinen Imbiss, und die Herren mussten sich der Frauenmehrheit beugen und an den Toiletten ebenso anstehen wie wir. Irgendwann durften wir dann in die Kirche und begannen mit dem Soundcheck. Ich zumindest merkte die Abgespanntheit inzwischen.


Foto: www.gospelnight-dresden.de
Dazu kam, dass unsere Chorleiterin, Annegret, sich etwas ungewohnt verhielt. Der Grund zeigte sich bald: Andreas kündigte an, dass Annegret uns im Sommer verlassen wird. Jetzt war die Stimmung erst recht geknickt. Aber noch war es ja nicht vorbei, und einen besonderen gemeinsamen Höhepunkt hatten wir im Juni auch noch in Aussicht, also beschlossen wir, dieses Konzert noch einmal so richtig zu feiern. Wir hatten uns für Annegret auch eine kleine Überraschung ausgedacht: Eins der letzten Lieder, den Reggae "Surely Goodness" von Israel Houghton, beginnen wir routinemäßig im Dunkel und mit gesenktem Kopf. Wenn wir den Kopf heben, würden wir diesmal alle Sonnenbrillen tragen. Die Konspiration hatte prima per Rundmail geklappt, Annegret wusste von nichts und war offenbar ziemlich perplex.


Ja, damit war erstmal eine Pause von ein paar Monaten eingeläutet. Wir fuhren noch an dem Abend zurück nach Dresden und zerstreuten uns im Schneesturm in alle kalten Winde.



Aber es hatten sich inzwischen auch schon zwei andere Erlebnisse ergeben, die von der Gospelnight herrührten: Wir waren beim Konzert von Ingos Band "Toja" und beim Record Release-Konzert von Döhler & Scheufler, der Band des Gospelnight-Solisten Frank und des Pianisten Daniel.


Der Kirchentags-Auftritt

Zum Gospeln trafen wir uns Anfang Mai wieder, zu den Proben für den riesigen Kirchentags-Auftritt im Dynamostadion. "Gospel-Night-Probe am Freitag im Juni ..." lautete unsere Einsingeübung jetzt. Ungewohntes Timing. Viel zu tun. Wir hatten ganze 3 Proben, dazu eine Hauptprobe und am 2. Juni einen Workshop mit einem unserer meistgesungenen Komponisten, Hans Christian Jochimsen aus Dänemark.


Der Mann ist ein Erlebnis! Erste Lektion: Lächeln. Nicht, weil es gut aussieht, sondern weil es gut *klingt*. Überhaupt legte er sehr viel Wert darauf, *wie* wir die Geschichte eines Songs fühlen und wiedergeben. Wir machten regelrechte Schauspielübungen. Er ist ein fordernder Chorleiter ("Klatscht ihr jetzt etwa, weil es gut war? Das war noch nicht gut."), aber auch sehr unterhaltsamer Entertainer ("Tenöre sind doch auch sowas wie Männer."). (Beim zweiten Workshop, zwei Tage später, provozierte er bei mir wahre Sturzbäche an Tränen mit einem ergreifenden Solo am Keyboard.) Wir probten mit ihm "Let us stand" (die Hymne des Gospelday von Gospel für eine gerechtere Welt) und "Lord hold me", die beide auf dem Kirchentagskonzert von uns, den anderen Chören und dem riesigen Workshopchor im Fanblock hinter uns gesungen wurden.


Der große Augenblick kam schließlich am 3. Juni: Kirchentag. Soundcheck am Nachmittag in brütender Hitze. Andreas und Christian hatten uns vorgewarnt, jetzt erhielten wir einen ersten eigenen Eindruck von der Gewaltigkeit dieses Unternehmens. Und vom Schwingen des Bühnenbodens. Dann hatten wir noch ein paar Stunden Freizeit, und schließlich Soundcheck, 2. Teil (mit dem Workshop-Chor), Umziehen, Einsingen ("Du hast den Farbfilm vergessen"!), Eingrooven, Beten. Ein Fernsehteam begleitete diese Aktionen und filmte eine sehr schöne kleine Doku für uns zur Erinnerung:





Foto: www.gospelnight-dresden.de
Foto: www.gospelnight-dresden.d

Wir standen auf der riesigen Bühne vor 10.000 feiernden Leuten und sangen ungefähr ein halbes Programm der diesjährigen Lieder. Außer uns waren noch andere Gospelchöre da, professionelle amerikanische Gospelsänger und schließlich Nina Hagen, die sich 2009 christlich taufen lassen hatte, mit Band. Was für ein Erlebnis!! Wir waren super, wir hatten Spaß, wir gaben unser bestes, sangen mit Hans Christian, wir brachten die Bühne zum Beben und sangen schließlich alle gemeinsam am Ende zwei Lieder mit Nina Hagen und allen anderen Beteiligten. Was für ein atemberaubender Abschluss der Saison, was für ein schöner, bemerkenswerter Abschluss auch für Annegret. Am Ende reihte sich Nina Hagen sogar noch in unsere Abschlussrunde ein. 


Mit dem Kirchentag, der vergangenen Saison der Gospelnight und einem Forum, das nicht christlich, aber spirituell geprägt ist, habe ich inzwischen auch eine zufriedenstellende Antwort auf meine Suche nach meiner eigenen Spiritualität gefunden. Ja, mich spricht an, was in der Gospelnight gesagt wird. Ich kann es in gewisser Weise für mich adaptieren. Inzwischen besitze ich sogar eine Bibel. Und lese gelegentlich darin.


Das Nachtreffen

Nun hatten wir endgültig Sommerpause, nur noch unterbrochen vom traditionellen, aber diesmal wegen des Kirchentags später angesetzten Nachtreffens am 1. Juli. Alle trafen sich im Garten des Gemeindehauses, es wurde gegrillt und geklönt, es gab die CD von der vergangenen Saison - unserer ersten - zu kaufen, und sie wurde auch gleich gespielt. Und natürlich wurde auch der Film vom Kirchentag gezeigt.


Ich hatte bereits jetzt wieder solche Lust aufs Gospeln. Gut, dass diesmal die Pause so kurz war. Am 9. September begann bereits die nächste, die 14. Gospelnightsaison. Mit einigen Veränderungen im Vorbereitungsteam und natürlich bei den Chorleitern. Aber das ist Stoff für einen anderen Blogpost.


Wer noch mitsingen möchte: Bis zum 30. September habt ihr noch Gelegenheit, unverbindlich bei den Proben reinzuschauen: Freitag, 19 - 21 Uhr, Gemeindehaus der Christuskirche Dresden-Strehlen.




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