Aus den knapp 20 Bewerbungen waren 10 Bands angenommen worden, 9 sind letztendlich an- und aufgetreten. Licht- und Nebeleffekte durften nicht verwendet werden. Die Auftritte fanden in normalem Saallicht statt.
Am Donnerstag starteten wir mit Ocvocetto aus Polen.
4 Frauen, 4 Männer. Sie sangen unverstärkt und sie starteten mit alter Musik in mehreren Sprachen und gingen später auch schon mal in ein jazzigeres Stück über. Ihr letzter Beitrag war eine Improvisationsnummer, die leider - durch die Wettbewerbssituation? - eher durcheinander geriet.
Nach einer kurzen Pause, in der die Jury, bestehend aus Simon Carrington (ehem. Kings Singers), Essi Wuorela (Rajaton), Martin Hoffmeister (MDR Figaro) und Martin Lattke (amarcord), ihre Notizen beenden konnte, betrat das Vokalensemble Viererlei aus Weimar die Bühne. Die vier Damen in langen Roben sangen mit klassisch ausgebildeten Stimmen ebenfalls klassische Stücke wie "Der Wassermann" (Robert Schumann), "Dat du min Leevsten büst" oder "Auf einem Baum ein Kuckuck saß". Sehr rein gesungen, es wirkte auf mich ungewöhnlich für ihr Alter und für das, was ich mir normalerweise anhöre, aber ich fand den Beitrag sehr schön und irgendwie auch sehr entspannend.
Jetzt folgte eine etwas längere Pause (20 Minuten), dann erlebten wir Dedooks aus Russland. Ich liebe die internationale Vielfalt der eingeladenen Bands. Wer weiß, wann und wo ich nochmal Bands aus Russland zu hören bekomme. Diese hier gab sich (Google sei Dank) größte Mühe, sogar auf Deutsch zu moderieren. Wieder 4 Frauen und 4 Männer, die in meinen Ohren allerdings oft ziemlich durcheinander klangen und sich nicht zusammenfügen wollten. Es gab russische Sachen, gefolgt von Seals "Kiss from a rose", bei dem der Solist Probleme mit den höchsten Tönen hatte, "Besame Mucho" und zum Abschluss ein Spiritual, der sich leider ebenfalls ziemlich schrill anhörte.
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| Foto: http://www.theglue.ch |
Den Nachmittag verbrachten wir noch in Leipzig, die Nacht aber brav Zuhause, und dann ging es am nächsten Morgen erneut nach Leipzig.
Als wir am Freitag in den Saal kamen, war schon eine Straßenbahnhaltestellenszene auf der Bühne aufgebaut. Die Band - KrisKrosKvintet aus Prag - traf bald darauf an der Haltestelle ein, der Bass mit der Rastamähne lauschte an der Schiene, ob die Bahn bald käme, und es wurde das erste Lied angestimmt. Eine sehr originelle Möglichkeit, die Pausen zwischen den Stücken, in denen ja nicht geklatscht werden soll, zu überbrücken. Die Stücke waren bunt gemischt: Zwei klassische, unverstärkte, denen "Chili con Carne" (etwas atemlos) folgte (inzwischen stand man in der Bahn; die Tonangaben zum Stück wurden als Haltestellensignal getarnt), "Walkin' my baby back home", arrangiert von Deke Sharon, und "Bohemian Rhapsody" sowie - endlich am Austragungsort angekommen, gerade noch Zeit für ein einziges Stück - einem serbischen Volkslied. Ich fand die Gruppe frisch, nett, witzig, originell, gar nicht schlecht, aber zur Perfektion noch ausbaufähig (aufgeregt?). Ihnen hätte ich die Förderung durch einen Publikums- oder Jurypreis am meisten gegönnt.
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| Foto: Pressefoto |
Es folgten So!...und nicht anders aus Mainz. Leider bestätigte sich meine schon vorher anhand der im Programm abgedruckten Liedtitel ("Teenieträume - Eine Boybandparodie") angestellte Vermutung, dass wir jetzt evtl. eins mit dem Holzhammer übergezogen kriegen könnten. Wogegen ich grundsätzlich nichts habe (siehe meine frühe Vorliebe für eine gewisse bekloppte Band aus Frankfurt). Es war halt Pop. Und ziemlich vorhersehbar. Das erste Lied "Sommer in meinem Kopf" (heiße Nacht, verführerische Frau, Mann weiß sich nicht zu helfen) - war irgendwie schon mal da. Wenn ich nicht an die Wise Guys erinnert wurde, dann an Bastas William. Klar, viele Bands fangen so an, das sind nun mal mit die bekanntesten Pop-ACA-Bands hier. Und immerhin haben sie durchweg eigene Lieder präsentiert, keine Coverversionen. Das ist ein großer Pluspunkt. Allerdings wirkten Moderationen und Liedtexte gelegentlich plump. ("... wenn ich gleich auf deiner Leiste sitz."), das Tempo wenig mitreißend, der RAP zu weichgespült und die höchsten Töne nicht getroffen. Vielleicht hatte es in der Wettbewerbssituation ohne Licht und Nebel und mit der gestrengen Jury das Popprogramm an sich schwer. Wahrscheinlich bin ich inzwischen auch zu verwöhnt. Für mich gab es nichts originelles, neues, überraschendes. Selbst Maybebops/Bastas "fring" wurde überstrapaziert.
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| Foto: http://www.facebook.com/audiofeels |
Die Dänen Postyr bildeten dann den Abschluss, eine Band, deren Namen mich schon verfolgt hatte, und auf die ich daher auch nochmal ganz besonders gespannt war. Sie waren dadurch gehandicapt, dass eine Sängerin, Line, einen Unfall hatte und nicht auftreten konnte (sie ist auf dem Weg der Besserung). Zu viert + Loopmaschine + Computer standen sie nun da auf der Bühne ... und ließen mich ehrlich gesagt recht unberührt. Ich mag zu elektronische Klänge nicht, ich möchte die reine Stimme hören, nicht die allzu verzerrte. Und ich mag es nicht, wenn "neben mir" jemand an seinem Computer (Handy) rumspielt und sich nicht um die Umgebung kümmert. Dass sie Profis auf der Bühne sind und singen können, haben sie jedoch bewiesen, und am Ende, bei "Broken" (rein akkustisch), war ich dann doch noch berührt.
Ich habe wieder eine Menge mitgenommen und wunderbare Bands erlebt. Jetzt bin ich gespannt, wie Krichys Kritiken - zu lesen dann hier - ausfallen.
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