Der Sinkkasten war leider nur mäßig gefüllt. Vielleicht waren Tag und Uhrzeit (Dienstag Abend, kurz vor 9) nicht ganz glücklich gewählt. Aber Matthias beruhigte uns, dass wir schon rechtzeitig nach Hause kommen würden. Das Programm sei ungefähr eine Stunde lang. Jeder der drei hatte offenbar seinen eigenen Fanblock dabei, wie sich bei der Begrüßung und Vorstellung der Bandkollegen herausstellte.
Optisch ist die in Schwarz-Weiß gehaltene Band auf jeden Fall schon mal wieder ein Hingucker mit dem Leopardenfell-Schlagzeug, hinter dem man den immer noch erblondeten Himmi in schwarzen Nadelstreifen auch sieht (im Gegensatz zu Filippo bei den Mazers), Ingo mit seiner Melone und der kecken Fliege und Matthias im weißen Hemd, mit offener Fliege und wieder im Rock
Filippo hat übrigens mit dem Licht gespielt und wohl am meisten im Saal mitgerockt, und Jan machte den Nicht-A Cappella-Sound.
Das Programm heißt "Spaß. Ernst. Liebe". Los ging's mit einem irgendwie vertraut klingenden Vorspiel, anfangs etwas sehr laut (aber schließlich war es ein Rock-Konzert) und ungewohnte Instrumentierung, so dass ich es nicht gleich erkannte: "Sofasogut", von Matthias' erster Solo-CD "Ein einfaches Nur". Wow, erlebe ich das doch noch mal live auf der Bühne! Genau wie den zweiten Song: "Was Schönes" (von der "Abschalten"). Besonders gefreut habe ich mich auch über "Berlinberlinberlin", das ich bisher auch nur als Demo kannte und so wunderbar entspannt finde. Der Geographie-Block wurde weitergeführt mit "Immer wenn ich frei hab (Ruft mich ein Sachse an)", das textlich immer mal wieder variiert wird. Es gab doch tatsächlich jemand Laut, als Matthias anschließend nach Sachsen im Saal fragte (und ich war’s nicht, aber ich bin ja auch nur zugezogen.)
Dann kam das Lied, das wirklich ein Hit werden kann: "Es ist nicht Liebe". Am besten selbst anhören, wenn ihr es nicht längst getan habt. (Und doch, auch dann.)
Nun versuchte Matthias, das scheue Publikum dazu zu animieren, etwas näher zu treten, denn seiner Meinung nach beruhen viele Beziehungsprobleme auf fehlender Kommunikation. Was eine prima Überleitung zum nächsten Lied war, ansonsten aber nicht so ganz funktionierte. In "Brief" fällt Matthias auf, dass er "dir" noch nie einen solchen geschrieben habe. Das Ganze endete gleich mal mit einem spontanen politischen Bezug, nämlich auf den Klimagipfel in Kopenhagen. Ja, spontane Einwürfe und –fälle kamen nicht zu kurz, gelegentlich bricht der Quatsch durch. Z. B. als sie sich über die Setlist austauschten, die in 10-Punkt-Schrift gehalten war, oder als Schlagzeuger Himmi das Publikum zum Auf-die-1-Klatschen animierte (was hervorragend funktionierte) oder seine Beine zeigt (er trägt Matthias’ Beinbehaarung auf).
"Anne Will" kennt man schon aus dem Soloprogramm. In dem es mir, ehrlich gesagt, besser gefällt. Bass und Schlagzeug finde ich hier eher überflüssig. "Glaubhaft, ehrlich und authentisch" beschreibt eigentlich etwas sehr offensichtliches, nämlich die Art, wie K & V Musik machen (wollen). "Tutmirleid" gehört eher wieder in die Kategorie "Spaß". Ein bisschen Kritik an den lieben Mitmenschen und ihren Geschmacksverirrungen. Richtig spaßig wurde es, als das Publikum den schwierigen Refrain mitsingen sollte. Hat nicht wirklich geklappt, nicht mal, als Himmi seinen eigenen Spickzettel hoch hielt. Der ungefähr in 10-Punkt verfasst war.
Aber die nachdenkliche Seite des Komponisten und Texters kommt in den Liedern nicht zu kurz. „Chance“ ist so ein Beispiel.
Dann schickte Matthias seine Mitstreiter in die Pause und stimmte solo „Pärchen über Bord“ (das Nicht-Pärchen bekam den schwarz-gelben Koalitionsvertrag hinterher geworfen) und das „Kennenlernlied“ an. Schon kam die Verstärkung zurück, hatte inzwischen das ganze Backstagebier weggetrunken, Ingo hatte seine eigene Setlist aber wieder vergessen. Matthias leitete geschickt über mit den Worten: „Wo ist das Problem?“ (siehe „Abschalten“).
Jemand im aus sicherem Abstand zur Bühne z. T. sehr dialogfreudigen Publikum hatte sich darüber beschwert, dass die Gitarre zu laut sei. Für diesen Herrn kamen die nun folgenden Stücke. Meiner Meinung nach eins ihrer Markenzeichen ist „Rock’n’Roll“, auch wenn die Stimmung im Saal noch mehr hätte kochen können. Matthias zeigte sich aber schon recht zufrieden und belohnte uns mit einem Liedchen (und das in einem Konzert!): „Frankfurt am Main“. Auch das nächste passte gut an diese Stelle: „Heilerde“ erinnert nur ein ganz klein wenig an den „Kaktus“.
Jetzt wurde es aber wieder etwas gesitteter. Man stimmte uns langsam auf das Ende ein: „Sommerwind“ und „Oktoberwärme“ (Himmi an der Kalimba), und damit war das Konzert schon vorbei. Natürlich entließen wir sie nicht ohne Zugabe-Rufe. Und die bekamen wir auch, und zwar eine richtige Überraschung: „In der Pubertät“ mit Matthias an der Bontempi-Orgel. Hm, gewöhnungsbedürftig.
Ein wirklich perfekter Abschluss war dann „Das Beste“. Ein wunderbar nachdenkliches Lied über die wichtigen stillen Momente. Das ist wirklich der Höhepunkt des aktuellen Repertoires für mich.
Die drei passen super zusammen, sowohl musikalisch als auch – soweit man das von außen beurteilen kann – zwischenmenschlich. (Also ich meine vor allem humortechnisch.) Der unsichtbare Pianist, also das Halbplayback in manchen Songs, hat mich ein wenig irritiert, genau wie der teils ungewohnte Klang der von früheren CDs oder Demos bekannten Songs, aber das ist ja ganz normal. Es entwickelt sich halt weiter. Ich hab mich gefreut, so viel schon Bekanntes jetzt zum ersten Mal live zu erleben.
Der nächste Termin, es mir gleich zu tun, ist der 11.04. Wenn nicht früher.